Dies ist kein klinischer Bericht oder Erklärung über Depressionen.

Du erfährst etwas über die Gedanken und Gefühle Betroffener, und das man vielleicht auch etwas Positives aus der Erkrankung ziehen kann.

Gerichtet ist dieser Beitrag an alle Betroffenen, Angehörige und Interessenten, zur Aufklärung einer Erkrankung.

Aber: Was ist eine Depression?

„Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich in zahlreichen Beschwerden äußern kann. Eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen einer Depression.“

Es gab diese Erkrankung schon immer, nur früher nannte man es Melancholie. Klingt irgendwie hübscher, romantischer. Oder, du kennst vielleicht auch den Ausdruck „Trübsal blasen“.

Einfach erklärt: Jeder kennt das, man hat mal eine gedrückte Stimmung, man fühlt sich niedergeschlagen. Man schiebt es auf das Wetter, die dunkle Jahreszeit, schlecht geschlafen…

Fast schleichend wird dieser Zustand dann zur Gewohnheit und Alltag und damit hängst du schon mittendrin in einer Depression.

Auslöser einer Depression können viele Faktoren sein, Traumata, Medikamente, Hormone etc. bis hin zur falschen Ernährung.

Doch noch immer ist es in der heutigen Gesellschaft ein Tabu-Thema und wird eher hinter vorgehaltener Hand besprochen.

Wie du als Betroffener, Helfender oder als Angehöriger damit umgehen kannst, erkläre ich dir hier:

Hast Du vielleicht folgende Sätze schon einmal gehört?

Ich bin nicht krank!

Betroffenen fällt es schwer diese Krankheit ernst zu nehmen, da die Symptome nicht greifbar oder sichtbar sind. Es ist anders wie bei einer offenen Wunde, man sieht es einem Menschen mit Depressionen nicht an. Man kann in einem Moment glücklich, freudestrahlend sein und im anderen Moment in Tränen aufgelöst. Man weiß nicht einmal, was gerade passiert ist und warum man jetzt so reagiert.

Nimm deine Gefühle ernst und versuche zu hinterfragen was in diesem Moment passiert ist!

Erst wenn du eine Depression ernst nimmst, merkst du, du bist nicht der einzige. Vor allem du bist nicht allein damit und musst das auch nicht alleine durchstehen.

Ich bin stark, ich schaff das schon!

Das dachte ich auch. Man hört und sieht ja so viel über psychisch Kranke.

Deine Angst, man hält dich für verrückt, dumm, nimmt dich nicht mehr ernst. Hast Angst daraufhin vielleicht deinen Job zu verlieren.

Du hast Angst davor mit jemand darüber zu sprechen. Denn ist es erstmal ausgesprochen ist es auch wahr, oder?

Man sieht dir eine Depression nicht unbedingt an. Menschen mit Depressionen sind oft sehr geschickt bei der Verhüllung ihrer Depression. Vielleicht auch gerade wegen der Stigmatisierung, die mit Depressionen verbunden ist, oder wegen ihrer Angst über die Auswirkungen auf ihre Mitmenschen, sind viele Menschen mit Depressionen meisterhaft darin, ihre Krankheit öffentlich zu verbergen.

 Das ist ein Beweis dafür, dass Depression kein Zeichen der Schwäche ist!

Du willst dir die Schwäche nicht eingestehen und lieber keine Hilfe in Anspruch nehmen. Doch irgendwann geht es nicht mehr da brauchst du Hilfe.

Die Kraft und die geistige Härte, die es kostet, um wie gewohnt weiterzumachen, ist enorm.

Der Weg aus der Depression, kann ein langer Weg werden und es ist viel Arbeit, der viel Unterstützung braucht.

Manchmal ist die stärkste Tat um Hilfe zu bitten!

Denkst du wirklich, die Phase geht vorbei und du bist dann wieder glücklich? Lass dir gesagt sein, dem ist nicht so!

Es hat einen Grund warum du an diesem Punkt in deinem Leben stehst.

Familie, Freunde und andere Betroffene können dir helfen, die Ursache herauszufinden. Frag sie, du bekommst gute Denkanstöße wenn du dich ihnen öffnest.

Du wirst viel über dich lernen und erfährst jetzt, wer wirklich zu dir steht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dein Freundeskreis wird sich ändern. es werden Menschen gehen und du wirst wichtige neue Menschen kennenlernen.

Es ist immer noch deine Wahl, wen du in dein Leben hinein holst.

Einige Menschen können jetzt auch einfach nicht mit dir umgehen. Das ist deren Angst und Hilflosigkeit. Wenn du dazu in der Lage bist, sprich sie einfach darauf an.

Ich bin einfach zu sensibel!

Depression ist kein Mangel an Charakter, sondern an Chemie. Die Chemie, die in deinem Körper vor sich geht.

Man sagt bestimmte Persönlichkeiten sind anfälliger für Depressionen. Depressionen kann jeder bekommen doch empfänglicher dafür sind nachgewiesen die eher Introvertierten, kreativen oder perfektionistischen. Gehörst du dazu?

Hast du Depressionen nimmst deine eigenen, aber auch die Gefühle anderer sehr intensiv wahr. Es besteht dabei die Gefahr, dass du dich zu sehr in die Gefühlswelt anderer hineinsteigerst.

Das Leid dieser Welt lastet nicht auf deinen Schultern!

In meiner tiefsten Krise konnte ich nicht mehr meine eigenen Gefühle oder Bedürfnisse spüren. Ich brauchte jemand der die einfachsten Entscheidungen für mich getroffen hat.

Ich will aber niemand zur Last fallen!

Versuch nicht deine Ängste, Qualen und Schmerzen zu verstecken und so zu tun als wäre nichts. Selbst dir nahestehende Personen erkennen meist zu spät den Ernst der Lage. In deinem Innern ausgerufene Hilfeschreie hört niemand.

 Lass deinen Schmerz an die Luft. Das ist in Ordnung!

Ich bin gefangen in meinen eigenen Gefühlen!

Du willst verstehen was mit dir vorgeht, du willst das alles nicht. Dein einziger Zugang zu dir selbst ist verschlossen. Manchmal siehst du einen Lichtschimmer, und du fühlst dich besser. Aber du hast Angst, dass es nicht von Dauer ist.

Ich vergleiche es mit einem Abhängigen auf Entzug. Ich habe angefangen die Tage zu zählen wo es mir gut geht, wo ich nicht weinen muss. Es wird Rückfälle geben, und du verspürst wieder Angst. Angst wieder in dieser Schleife zu stecken und nicht rauszukommen. Lass dir gesagt sein, es wird immer mehr gute Tage hintereinander geben.

Setz dich nicht unter Druck. Dein Gehirn lässt sich zu nichts zwingen. Es schützt dich nur.

Ich bin ein schwaches Mitglied der Gesellschaft! Nein, bist du nicht!

Menschen mit Depressionen können entgegen des verbreiteten Irrtums auch nach der Krise, wieder normal arbeiten gehen.

Betroffenen fällt es nur schwer sich nach dieser Zeit wieder für etwas zu begeistern oder an sich selbst zu glauben. Es fehlt der Lebensmut und Antrieb, sich die eigenen Talente wieder vor Augen zu halten.

Man ist verunsichert, wie die Umwelt reagiert, wenn man wieder am Leben teilnimmt.

Ich kann dir sagen, es wird sich etwas verändern, und zwar du! Du änderst dich.

 Glaube an dich und deinen Selbstwert, auch wenn es schwerfällt.

Nimm dir die Zeit zur Regeneration die du brauchst. Vielleicht findest du jetzt auch etwas was dich viel mehr erfüllt.

Woran du wieder Lebensfreude findest.

Viele orientieren sich nach so einer Krise neu. Sieh es als Chance!

Ich bin nicht verrückt, ich bin nur krank!

Menschen mit Depressionen sind nicht verrückt - nicht verrückter als die meisten Menschen. Aber mit Depressionen hast du es bedeutend schwerer. Bei jeder körperlichen Krankheit ist es ein Leichtes, sich für ein paar Tage krank zu melden. Aber haben Sie schon einmal versucht, sich wegen Depressionen krank zu melden? Genau!

Die Betroffenen neigen dazu ihr Krankheitsbild zu verharmlosen und schön zu reden. Kein Arzt kann hinter deine Fassade schauen! Er weiß nicht was in dir vorgeht. Du verdrängst es vielleicht. Nimm einen Anvertrauten mit zum Arzt und lass ihn seine Sicht der Dinge vortragen.

Du bist auch nicht verrückt, nur anders.

Ich möchte behandelt werden wie jeder andere auch!

Indem du deine Kämpfe in deinem Innern alleine austrägst, schützt du nicht deine Mitmenschen. Du schützt dich selbst um nicht angreifbar zu sein. Es ist deine Angst vor der Reaktion deiner Mitmenschen.

Ich bin relativ schnell offen mit meiner Erkrankung umgegangen. Auf die Frage: „Wie geht es dir?“ ehrlich geantwortet.

Meine Erfahrungen waren Verständnis, Neugier, Mitgefühl, Rückzug von einigen und auch Unverständnis. Auch manchmal zu viel Rücksichtnahme und Schonung.

Das ist die Angst, Hilflosigkeit und Unwissenheit deiner Mitmenschen.

Resümee:

Ich will die Krankheit hier nicht verharmlosen, oder verallgemeinern.

Jeder hat einen anderen Krankheitsverlauf und braucht individuelle Hilfe.

Es ist nur sehr schwierig in der heutigen Gesellschaft und mit unserem Krankenkassensystem wirklich gute Hilfe zu finden.

Es gibt nur begrenzte Therapieplätze und die guten Therapeuten sind langfristig belegt. Ich selbst hatte Wartezeiten von über einem Jahr! Von schneller und akuter Hilfe ist hier nicht die Rede.

Dazu kommt wenn du erkrankt bist, bist du meist kaum in der Lage dich um Hilfe selbstständig zu kümmern. Das wird aber hier von dir erwartet.

Mittlerweile gibt es auch viele alternative Ansätze die sich bewährt haben, wie Achtsamkeitsübungen, Meditation, Yoga und Sport. Setze dir positive Anker.

Forschungen haben gezeigt, dass regelmäßiges Training Symptome einer Depression kurzfristig lindern kann aber auch einen Schutz bieten für zukünftige Episoden, sogar gleiche Erfolge bringen kann wie Antidepressiva. 30 Minuten Walking am Tag reichen schon aus.

Öffne dich bitte jemand dir nahestehenden und lass dir von ihm helfen.

Antidepressiva sind keine Wunderpillen. Die Art der Behandlung und des Medikaments, die am effektivsten ist, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Es kann manchmal zu viel Frust und Verschlechterung der Symptome führen, bis man richtig auf die Medikamente eingestellt ist. Darüber hinaus haben Antidepressiva im Allgemeinen keine sofortige Wirkung.

Solltest du Medikamente einnehmen müssen, so lass dich bitte auch hier vollständig über Wirkung und Nebenwirkungen aufklären.

Auch hier bitte nimm jemand mit, der sich das auch anhört.

Du bist vielleicht auch gerade in der Situation, dass du keine Entscheidungen treffen kannst.

Der beste Ansatz ist ein umfassender Ansatz, der auf die gesamte Person bezogen ist - mentale (Therapie, emotionale Unterstützung, kognitives Bewusstsein, Achtsamkeit), physische (Sport, Ernährung) und eventuell chemische (Medikamente).

An alle Betroffenen und Angehörigen:

Fragst du bei jemand nach, nach Depressionen oder Selbstmord, wirst du es dadurch nicht schlimmer machen - aber du könntest ein Leben retten.

Jeder hat seine Höhen und Tiefen, aber wenn du jemand kennst, der sich ungewöhnlich verhält und handelt (Stimmung, Schlaf, Appetitveränderungen, Traurigkeit, Aggression, Rücksichtslosigkeit, sich zurückzieht), könnte es etwas mehr sein. Wenn du irgendein Gefühl hast, dass etwas nicht richtig ist, ist es wichtig, zu fragen, ob er/sie deprimiert oder gar Suizid gefährdet ist. Mit der direkten Nachfrage nach "Selbstmord / Lebensmüdigkeit", könntest du ein Leben retten.

Wenn die Person ist suizidgefährdet ist, such bitte sofortige Hilfe bei einem Arzt, Krankenhaus oder der Suizid-Hotline.

Für diejenigen, die noch nie mit Depressionen zu tun hatten, ist die Dunkelheit nicht vorstellbar. Es kann jeden treffen und keiner von uns kann wissen, wann wir, oder jemand, den wir lieben, im Begriff ist, diese Erfahrung zu machen.
Depression ist eine behandelbare Krankheit.
Je mehr wir über Depressionen lernen, umso mehr kann man mit Wissen, Respekt, Offenheit und Mitgefühl rechnen - es sollte niemals auf etwas geringeres reagiert werden.

Außenstehenden fällt es häufig schwer, die vielschichtigen Dimensionen und vor allem die Realität der Krankheit "Depression" zu erkennen. Immer wieder hören wir Menschen sagen: "Die sollen sich mal zusammenreißen", oder: "Die wollen nur Aufmerksamkeit", oder: "Über eine solche Phase kann man hinwegkommen."

Menschen, die nie unter Depressionen gelitten haben, verstehen aber oft nicht, dass das schlichtweg nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass eine Depression genau wie Schizophrenie, Demenz und Burnout psychisch bedingt ist - die Symptome sind manchmal aber nicht offensichtlich genug, um die Krankheit festzustellen.

Obwohl Depressionen gut therapierbar sind, werden noch ca. 50% aller schweren Depressionen nicht behandelt. Und das, obwohl die Depression nicht gerade eine seltene Erkrankung ist. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sind 350 Millionen Menschen weltweit betroffen.

Viele werden allerdings unzureichend behandelt, wie eine Analyse der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass vor allem nahestehende Personen die Eigenheiten und Verhaltensweisen von Menschen mit Depressionen zu verstehen und zu deuten lernen.

Dies ist ein sehr persönlicher Bericht und Erfahrungen von mir.

Ich selbst war vor einem Jahr erkrankt, ohne Medikamente habe ich meinen Weg daraus gefunden. Mir geht es heute wieder gut und ich bin stabil.

entzückt(er)leben - es ist Dein Leben!


Rückblickend teile ich meine Erfahrungen mit dir und hoffe dabei, dass ich dir helfen kann. Solltest du noch Fragen haben oder brauchst du gute Adressen, so schreib mich gerne an.

Und, wie immer, ein riesiges DANKE an alle Leser. Wenn Du denkst, dass es jemand anderem helfen würde, nur zu und teile es!

Bilder mit freundlicher Unterstützung von Pixabay.

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